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„Schau mal, der schwarze Teufel da“ – Offen gelebter Rassismus in München

Gestern Abend gegen 22 Uhr spazierte ich mit einem Freund von mir aus Ghana über den Münchner Viktualienmarkt – wir waren auf dem Weg zu einer Bar. Vor einer Kneipe hielten wir kurz an, denn ich wollte eine Frau, die da stand  und rauchte, um Feuer fragen. Mein Freund K. bleib etwas abseits stehen um auf mich zu warten. Die Frau gab mir ihr Feuer und plötzlich entdeckte sie hinter mir K. Sie schaute ziemlich entsetzt und rief ganz laut „Schau mal, der schwarze Teufel da. Was wollen Sie denn mit dem? Ja schau mal, der schwarze Teufel, da steht er und wartete. Das ist ja unglaublich, was machen denn die ganzen Afrikaner hier?“ Der Mann neben ihr sagte nichts, ich und K. auch erstmal nichts. Ich war wie gelähmt, irgendwie hoffte ich, mich verhört zu haben. Die Frau, zwischen 40 und 50 Jahre alt, etwas angetrunken aber noch zurechnungsfähig, setzte ihre Rede vom schwarzen Teufel fort. Da musste ich irgendwie lachen, K. fing auch an zu lachen. Dann sagte ich der Frau, sie sollte lieber vorsichtig sein, denn er sei besonders gefährlich. Und außerdem seien die Afrikaner überall, bald würden sie ganz Deutschland einfach übernehmen. Dann drehte ich mich um, hakte mich bei K. ein und wir gingen weiter. Meine spontane Reaktion war, K. zu sagen, er soll einfach nicht hinhören, dann entschuldigte ich mich mehrmals bei ihm für diese Frau. Es sind währenddessen auch noch andere Personen an uns vorbei gelaufen, die alles mit anhören konnten.

Im Nachhinein malt man sich ja dann immer aus, was man gerne sehr schlagfertig gesagt hätte. Mein Favorit wäre folgende Reaktion gewesen: Die Frau anstarren; das Schild der Bar vor der wir stehen ausgiebig mustern; die Frau und ihren Begleiter wortlos von unten nach oben mustern. Dann ganz ruhig, mit erstaunter Stimme sagen: „Das ist ja interessant, ich wusste gar nicht, dass es hier mitten in München eine Bar für Neonazis gibt.“

Wir mir heute dann noch zugetragen wurde, hat am selben Abend ein anderer Freund von mir, ein Kameruner, zwei Personen (man beachte: zwei voneinander unabhängige Personen) aus einem Club vom Sicherheitspersonal rauswerfen lassen, weil sie nicht aufhörten ihn „Nigger“ zu nennen.

Schönes München.



 

DiskriminierungmünchenrassismusViktualienmarkt

admin • 4. April 2013


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Comments

  1. Gabriele 4. April 2013 - 22:50 Reply

    Wahnsinn! Ich kann es nicht glauben! Wo leben wir? Ich schäme mich für diese Leute. Immerhin gut, dass das Sicherheitspersonal Leute rauswirft, die dieses Schimpfwort „N…“ benutzten. Eure Reaktion, diese Dame einfach auszulachen, finde ich viel besser als die von Dir entworfene Reaktion!

  2. Vera 6. April 2013 - 18:51 Reply

    Oh ja, die Situationen, in denen man dann nachher über schlagfertige Reaktionen nachdenkt kennen wir sicher alle!
    Ich finde aber eure Reaktion auch am besten, denn solche Aussagen sollte man wohl einfach nicht ernst nehmen! Eine Diskussion oder Ähnliches „auf Augenhöhe“ gebührt vielleicht einem Menschen, dessen Meinung uns wichtig ist und verletzen kann, aber sicherlich nicht solchen idiotischen Aussagen!

    Schönes Wochenende,
    Vera

  3. Pressemitteilung des Ausländerbeirats München vom 22.04.2013 zum Rassismus im Münchener Nachtleben - Cultural Affair

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