Cultural Affair

Der interkulturelle Blog

Was bedeutet eigentlich…Bayram?

Interkulturelles Teeangebot?

Mein absoluter Lieblingstee ist der sogenannte „Bayram-Tee“ einer bekannten deutschen Teefirma.

Die Packung verrät einem, dass er hauptsächlich aus Apfel, Feige und Dattel besteht. Seit kurzem heißt dieser Tee nun „Türkischer Bayram-Tee“ – hat sich wahrscheinlich doch der Ein oder Andere gefragt, was genau Bayram eigentlich ist. Obwohl meiner Meinung nach einige türkische kulturelle Phänomene inzwischen fest zu unserem Alltag in Deutschland gehören, konnte ich mit diesem Begriff nichts anfangen. Die Beschreibung auf der Homepage von Meßmer war nicht besonders aufschlussreich: 

Die Türkei ist ein lebendiges Land, das auf eine lange Tradition zurückblicken kann. Viele Feiertage (türkisch: Bayram) prägen diese Kultur. An diesen Feiertagen ist es Brauch, dass man sich in geselliger Runde versammelt und gemeinsam Tee trinkt.“.

Ne ist klar, dass ein Land lebendig ist, auf eine lange Tradition zurückblicken kann und viele Feiertage die Kultur prägen ist natürlich etwas extrem Außergewöhnliches…

Deshalb habe ich selbst ein bisschen herum gefragt:

Bayram ist abgeleitet von „Ramazan Bayrami“, dem Fest des Fastenbrechens am Ende des Ramadan, im Arabischen als „Aid al-Fitr“ bezeichnet. Im Türkischen auch als „Zuckerfest“ (Seker Bayrami) bekannt richtet sich der Zeitpunkt jeweils nach dem Mond. Zu diesem Fest werden unter Anderem viele Süßigkeiten verspeist und gerne sehr süßer Tee getrunken.

Der Tee ist tatsächlich angenehm süß, auch Kinder trinken ihn gerne, ohne dass man ihn zusätzlich süßen muss. Am Besten schmeckt er mir mit einem Schuss Orangensaft. Interessant wäre zu wissen, wie die türkisch-deutschen Menschen hier das finden, dass ihr Fastenbrechen-Tee nun tagtäglich in deutschen Haushalten konsumiert wird.

Und welche Marketingstrategie steckt wohl von Seiten der Tee-Firma dahinter? Gibt es doch schon seit geraumer Zeit die „Ländertees“, die eine „Inspiration aus fernen Ländern“ sein sollen. Wurde der Bayram-Tee in das Programm aufgenommen, weil man noch ein „exotisches“ Land für die Reihe gebraucht hat oder hatte man eher die türkischen Mitbürger als potentielle Käufer im Visier? Bei der Marketingbesprechung für diese „Ländertees“ wäre ich sehr gerne dabei gewesen, hätte ich doch auch mitbekommen wer auf den komischen Einfall der Beschreibung des „Südafrikanischen Ovambotee“ gekommen ist:

Rooibos ist das Nationalgetränk vieler Volksstämme Afrikas.“

Wenn man Kulturgruppen schon als „Volksstämme“ abtut, wie kann man denn dann von einem „Nationalgetränk“ sprechen? Diese Teefirma bräuchte dringend mal einen Ethnologen für die Marketingabteilung…

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admin • 1. Dezember 2012


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